Nach Ausbruch des Krieges gegen die UdSSR wurden im Gebiet Melitopol sämtliche deutschen Männer mit Ausnahme einiger alter Männer und einiger Kranker aus den volksdeutschen Dörfern entfernt. Sie wurden zum Ausheben von Tankfallen und Gräben verwendet, andere mussten das Vieh der Dörfer in östliche Richtung treiben, ein Teil wurde zur Roten Armee eingezogen, der weitaus grössere Teil jedoch wurde zusammengetrieben und zu Fuss oder mit der Eisenbahn in östliche Richtung verschleppt. Frauen und Kinder blieben zunächst noch in den Dörfern. Doch dann beschlossen die Sowjets, auch die Frauen und Kinder zu verschleppen. […] Dem Vorrücken der deutschen Truppen, der Desorganisation bei den Roten, „sie hatten nicht rechtzeitig und genügend Eisenbahnmaterial“, verdanken Tausende von Frauen und Kinder ihre Rettung.
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Ausserdem gelang vielen Männern, die zu Schanzarbeiten gezwungen worden waren, die Rückkehr in die Heimat, ferner einigen, die mit dem Vieh unterwegs waren und von deutschen Truppen befreit wurden. Hieraus ergibt sich die gegenwärtige Lage in den deutschen Kolonien des Gebietes Melitopol. Das Gesamtbild ist grauenhaft. Viele Dörfer sind vollständig verödet. Nur herrenlos gewordene Hunde, einzelne Kühe und Schweine treiben sich bei den Gehöften oder auf der Dorfstrasse herum. Die Wohnungen sind ausgeplündert. Verlassen sind zum Beispiel die Mennonitendörfer Altenau, Münsterberg, Blumstein, Grossweide. Andere Dörfer sind nur zur Hälfte besetzt wie Rudnerweide, Sparrau, Gnadenfeld. Wieder in anderen Dörfern sind neben den Frauen und Kindern nur vereinzelt alte Männer und einige halberwachsene Burschen vorhanden, so in Fischau, Fürstenhagen, Tiegenhagen, Montau, Lichterau, Ladekopp, Fabrikwiese, Schönsee, Liebenau. In Rückenau zum Beispiel sind von 110 deutschen Familien 60 übrig geblieben, unter ihnen nur 5 alte Männer, alle übrigen sind verschleppt. Über den Weg der Vertriebenen liegen verschiedene Meldungen von Volksdeutschen vor. Die Transporte sollen sich nach zwei Richtungen bewegen: Sibirien und Kasachstan, das […] durch ungesundes Klima bekannt ist. Auch wurde gemeldet, dass einzelne Eisenbahntransporte von den Roten absichtlich zum Entgleisen gebracht worden sind (bei Stalino) […] Verschiedene Volksdeutsche, die ihre Wohnung nach der Rückkehr vom Schanzen ohne ihre Familie vorfanden, sind nach dem Osten aufgebrochen, um ihre Angehörigen oder Nachrichten über sie einzuholen.
(Deutsche Besatzungsherrschaft in der UdSSR 1941-1945. Dokumente der Einsatzgruppen in der Sowjetunion II. Darmstadt, 2011)