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Online-Ausstellungen der deutschen Minderheit in der Ukraine

Aus den Erinnerungen von P. Epp an die Vertreibung der aus der Chortitza stammenden Mennoniten

Nachts vom 15. auf den 16. August hatte es geregnet. […] Um zwölf Uhr solle sich jeder bei der Dreschtenne am Ende unseres Dorfes melden. […] Dort waren schon Vorgesetzte aus dem Rajon, die uns sagten, daß wir in vier Stunden zur Evakuierung bereit sein müßten. Keiner dürfe zurückbleiben. Wir wurden zusammengruppiert, fünf Familien auf einen Wagen. Um 17 Uhr standen die Fuhren, überreichlich mit Lebensmitteln beladen, auf der Straße. Oben drauf saßen dann noch die Frauen mit Kindern und Greisen. Dreißig bewaffnete Milizionäre (Polizei) leiteten diese Aktion. Auch das Vieh, sogar die Schweine, durften nicht zurückgelassen werden. Es war ein trauriges Bild: Kinder weinten, Kühe brüllten, Alte und Kranke stöhnten. So wurden Hals über Kopf vier Dörfer – Nikolaipol, Franzfeld, Hochfeld und Adelsheim – unter Bewachung ausgesiedelt. Wie wir später erfuhren, hatte dieses Schicksal alle 19 deutsche Dörfer des Chortitzer Rajons ereilt. Die Ukrainer durften zurückbleiben.

Am nächsten Morgen, dem 17. August, ging es weiter. […] Abends mit Sonnenuntergang erreichten wir einen Teich, wo wir zur Nacht lagern sollten. Aber kaum hatten wir begonnen, die Pferde auszuspannen, während die Frauen anfingen, sich ums Abendbrot zu kümmern, als ein neuer Befehl durchgegeben wurde: schnellstens aufzubrechen und weiterzufahren. Daran erkannten wir, daß die Deutschen nicht mehr ferne sein konnten. Mein Bruder Kornelius riet, mit dem Anspannen solange zu zögern, daß wir hinten im Treck fahren mußten, was uns auch, ohne aufzufallen, gelang. Bis der schwer bewegliche, lange Treck wieder richtig in Bewegung kam, war es finstere Nacht geworden. 

Die Milizionäre trieben zu größter Eile an, aber trotzdem ging es immer langsamer. Unsere Blicke waren immer wieder westwärts gerichtet, von wo wir die Deutschen erwarteten. Plötzlich stiegen am westlichen Horizont einige Leuchtkugeln empor. Unsere Hoffnung auf Rettung wuchs! Die Bewachungsmannschaft wurde unruhig und trieb noch mehr zur Eile, aber der Treck stand immer öfter, und die Bewachung verlor immer mehr die Kontrolle über uns. Es war finster, die Soldaten liefen hin und her, konnten aber die Ursache des vielen Stehens nicht feststellen. […] Der Treck war ganz ins Stocken gekommen; alles stand. 

Mein Bruder lief nach vorne, um zu erfahren, was dort los war. Die Nachricht von der Nähe der Deutschen war wie ein Lauffeuer bis nach vorne gedrungen. […] Da tauchte endlich mein Bruder wieder auf und berichtete, daß die Fuhrleute sich geweigert hatten weiterzufahren. Die Polizisten hatten gedroht zu schießen, wenn man nicht sofort weiterfahren würde. Sie wurden aber sofort von einer Menge des Volkes umringt, und jemand habe gesagt: »Ihr wollt uns alle erschießen, und dann?« Die Nähe der Deutschen machte sie unsicher. Während dieser Aufregung kam ein Lastkraftwagen, den sie anhielten, und nach kurzer Unterredung stiegen sie allesamt auf und fuhren mit Verwünschungen und Drohungen ab. 

(Epp P. Ob tausend fallen. Bielefeld, 1997)

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